Herwig Steiner(1956L), The Trap 1271vk / Zeichnung/digitalisiert (no AI), 30.8.2026 / (331,2x244,0cm)

© Herwig Steiner(1956L), The Trap 1271vk / Zeichnung/digitalisiert (no AI), 30.8.2026 / (331,2×244,0cm)
[…] Einige Begriffe und deren dazugehörige Objekte tragen auf ganz besondere Weise die Gegebenheiten der Bestimmung in sich.
Attrappe steht, wie einige weitere Beispiele, in Ausschließung ihrer Begrifflichkeit. Hier verstehen wir den zentralen Umstand ihrer Strategie, dass „Attrappe“ ihre grundlegende Täuschungsfunktion, jene Funktionalität, die sie erst zur „Attrappe“ macht, nur dann innehaben kann, wenn ihr Begriff sie eben nicht darstellt, wenn und nur solange sie fehlinterpretiert wird.
Ein als „Attrappe“ bezeichnetes Objekt ist keine „Attrappe“ (mehr), sinkt zurück in den Status einer Kulisse, sein Schauspiel wäre dann ausgemacht, die Spannung, das Leben aus ihm entwichen. Gewissermaßen löscht die zutreffende Bezeichnung ihr Wesen. Dieses ist somit immer unverfügbar, inkognito wirkend aus einem Außerhalb. Decouvriert wäre sie augenblicklich ein Vergangenes.
Dagegen verhalten sich Missinterpretationen wie Rost auf Stahl. Sie schützen das Wesen der Fehlinformation vor dem Vordringen in dessen Inneres, der Leere des Appellierten, der Fülle des Manipulativen, bewahren vor Enttarnung. {1}

1/ aus: Herwig Steiner (1956L), Kunst der Attrappe, Andreas Manak (Hg.), Friedrich J. Reif-Breitwieser (Hg.), Passagen Verlag Wien, 2019, S.50

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